offene Jugendarbeit

Das Sozialprojekt Hood Training im Bremer Stadtteil Tenever macht seit 2010 von sich reden und erntet große mediale Aufmerksamkeit. Hood Training, abgeleitet vom englischen Wort für Nachbarschaft, zieht täglich dutzende Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 27 Jahren zu den jeweiligen Trainings an den Hood Training Sportparks verschiedener Stadtteile.

Der Schwerpunkt des Projekts liegt in der offenen Arbeit an unseren Calisthenics-Anlagen. Wie im Bremer Stadtteil Tenever, gliedert sich die offene Jugendarbeit entlang der regelmäßigen offenen Trainingseinheiten. Kostenlos nehmen Kinder und Jugendliche am sportlichen Angebot teil, das von unseren Trainern als Grundlage für die pädagogische Betreuung genutzt wird (s.o.).

In der Regel finden wöchentlich drei offene Trainingseinheiten am Calisthenics-Park statt. Pädagogisch ausgebildete Trainer leiten das Angebot. Die genauen Inhalte des Trainings wechseln regelmäßig, orientieren sich aber am gleichbleibenden Schema Ziel ist die Stärkung physischer Gesundheitsressourcen (insbesondere die Faktoren gesundheitsbezogene Fitness, Ausdauer, Kraft, Dehnfähigkeit, Koordinationsfähigkeit, Entspannungsfähigkeit) durch regelmäßiges Training mit unterschiedlichen Trainingszielen (Fitness, Ausdauer, Kraft, Dehnfähigkeit + Beweglichkeit, Koordination, Entspannung + Meditation). Die Trainingsziele werden dem/der Teilnehmer/in sinnvoll angepasst und inhaltlich vermittelt.

 

Das Hood Training arbeitet in verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit und versucht, mit entsprechend angepassten Angeboten auf unterschiedliche Rahmenbedingungen und Bedarfe einzugehen, um somit einen wertstiftenden Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und Kompetenzvermittlung von Kindern und Jugendlichen beizutragen. Ein Fokus der Angebote liegt auf dem Aufbau sozialer Kompetenzen. Dies wird u.a. erreicht, durch die Betonung der Relevanz von gewaltloser Konfliktlösung (Kommunikation), dem Abbau von Vorurteilen durch die enge Zusammenarbeit in Gruppen und den Aufbau des Selbstbewusstseins durch positive Bekräftigung und gezielte individuelle Förderung.

Die gesundheitspräventive Arbeit erzielen wir durch gesundheitsorientiertes Geräte- und Ausdauertraining. Übungen mit dem eigenen Körpergewicht beugen chronischen Schmerzen vor. Ausdauertraining schützt vor Übergewicht, stärkt Herz und Kreislauf. Zur Reduzierung von Bewegungsmangel in Quartieren und zum sozialen und gesundheitlichen Empowerment von Kindern und Jugendlichen werden regelmäßige Trainingseinheiten, eine frei nutzbare Trainingsstätte sowie weiterführende, beratende Betreuung durch qualifiziertes Personal angeboten. Sport zur Stressbewältigung, zum nachhaltigen Erlernen alltagstauglicher, gesundheitsfördernder Kompetenzen und Beratung bzgl. gesundheitsförderlicher Ernährung stehen ebenso im Fokus wie die Stärkung von Resilienz und Selbstachtung durch Training sozial-emotionaler Kompetenzen.

 

Sozialraumbezug

Das Hood Training setzt auf nachhaltige Arbeit im Quartier – beginnend bei der Vernetzung zu anderen Akteuren. Die Kooperation mit lokalen Trägern ist sowohl bei der Durchführung von weiterführenden Projekten, als auch im Rahmen des regelmäßigen offenen Trainings möglich. Wir bieten den Kindern und Jugendlichen des Hood Trainings gerne Aktivitäten und Projekte an, die über das Training hinausgehen – wie zum Beispiel Workshops für Graffiti und Hip Hop oder die Teilnahme an Sportveranstaltungen und Wettkämpfen. Dazu arbeiten wir eng mit wechselnden Netzwerkpartnern zusammen. Wir verstehen das Hood Training als Schnittstelle zwischen Bildung und Freizeit. Dementsprechend arbeiten wir kontinuierlich mit Akteuren aus den Bereichen Kultur, Schule, Freizeit und Sport.

 

Nachhaltige Jugendarbeit

Der Nachhaltigkeitsgedanke der Quartierarbeit zieht sich durch die gesamte Angebotspalette des Hood Trainings. Neben den Fähigkeiten und Werten, die den teilnehmenden Jugendlichen und Kindern vermittelt werden, sollen die Teilnehmenden des Hood Trainings die Möglichkeit erhalten, sich ehrenamtlich einzubringen und, im Idealfall, zu den Hood Trainern der Zukunft werden. Hierzu bindet das Hood Training fortgeschrittene Jugendliche in organisatorische und unterstützende Aufgaben ein, deren Übernahme ihnen bescheinigt wird. Dies soll bei späteren Bewerbungen helfen. Darüber hinaus bietet das Hood Training eine spezielle Qualifikation bzw. eine Bildungsorientierungsmaßnahme für Jugendliche an, die mit dem Zertifikat „Hood Trainer Assistenz“ abgeschlossen wird. Die Fortbildung „Hood Trainer Assistenz“ richtet sich an Jugendliche und vermittelt Ihnen berufliche Perspektiven im Bereich der pädagogischen Jugendarbeit. Die Fortbildung zielt darauf ab, das Interesse von Kindern- und Jugendlichen für eine Ausbildung – oder einer anderen Bildungsform – im pädagogischen Bereich zu wecken. Die Jugendlichen sollen die Arbeit eines Hood Trainers verstehen und dabei die Möglichkeiten der Pädagogik, außerhalb der gängigen Arbeitsbereiche (wie bspw. Erzieher und/oder Betreuer) kennenlernen. Den Jugendlichen wird die Motivation eines Pädagogen nähergebracht und ein Weg aufgezeigt, die pädagogische Arbeit als berufliche Perspektive zu begreifen. Mit dem Abschluss der berufsorientierenden Maßnahme erlangen die Kinder und Jugendlichen eine Teilqualifizierung mit dem Titel „Hood Trainer Assistenz“.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen im Rahmen der Fortbildung fundierte Kenntnisse in den folgenden Bereichen erlangen:

  • Aktive Kinder- und Jugendhilfe mit Sport- und Erlebnispädagogik
  • Basiskenntnisse in der offenen Kinder- und Jugendarbeit
  • Basiswissen zu Präventionsmaßnahmen in der Kinder- und Jugendarbeit in sozialbenachteiligten Stadtteilen
  • Progressive und Resozialisierungsmaßnahmen mit strafauffälligen Kinder- und Jugendlichen
  • Sportliche Weiterbildung in dem Bereich Calisthenics und eigene Körperbeherrschung

Nutzung des öffentlichen Raums

Das Hood Training setzt sich dafür ein, Kindern und Jugendlichen mehr Möglichkeiten der Betätigung im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Die Calisthenics-Sportparks in den Quartieren sind daher offen gestaltet und können auch abseits der Angebote des Hood Trainings genutzt werden. Die Parks bieten, neben einer Aufwertung von ansonsten ungenutzten Freiflächen, Möglichkeiten zur kostenlosen sportlichen und freizeitlichen Nutzung und fördern die sportliche Betätigung im Quartier.